


2025 mit Anette Hoffmann
4-Kanal-Videoinstallationen | HD | Farbe & S/W | Ton
Sprachen: Englisch, Namagowab, Naro, Somali
Während die Elefanten fast ausgerottet wurden, kamen die großen Rinderherden. Später, mit den deutschen Kolonialsoldaten, erschienen die Kamele. Sie waren mithilfe imperialer Netzwerke aus Somalia für den kolonialen Krieg (1904-8) nach Namibia exportiert worden. Die Besatzer hinterließen ein Archiv von Kamelfotografien, und der österreichische Anthropologe Rudolf Pöch filmte 1908 die Kamele mit deutschen Soldaten an der Grenze. Namagowab- und Narosprecher_innen hingegen erzählen von den Tieren als Akteuren einer Geschichte von Verlust, Vertreibung und kolonialer Landschaftsformung.
Die Installation zeigt Kolonialgeschichte als inter-species-Geschichte, basierend auf widersprüchlichem Archivmaterial, und folgt dabei den historischen Kommentaren von Zeitzeug_innen, die den kolonialen Krieg in Namibia, die Dürre und die Anwesenheit eines bewaffneten Anthropologen, der mit Militärbegleitung forschte, zusammen denken.
Während des Völkermords gegen die Ovaherero, Nama und Damara trafen ab Januar 1906 2.000 Dromedare in fünf Schiffsladungen in Swakopmund und Lüderitz ein. Die Kamele wurden von der deutschen Schutztruppe aus dem damaligen Britisch-Somaliland mit Unterstützung von Hersi Egeh Gorseh und Lorenz Hagenbeck aus Hamburg importiert. Hersi Egeh hatte zusammen mit dem Zoodirektor Carl Hagenbeck (dem Vater von Lorenz) jahrelang sogenannte Völkerschauen organisiert. Nachdem die Kamele im damaligen Deutsch-Südwestafrika angekommen waren, wurden sie in mehreren „Karawanen“ von der Küste nach Windhoek gebracht. Ab 1906 gab es Kamelpatrouillen an den Militärstationen nahe der Grenze zum damaligen Britisch-Bechuanaland. Rietfontein war eine dieser Stationen, die auch einen Brunnen besetzte. In dem trockenen Gebiet bedeutete dies die Kontrolle der Umgebung und der Grenze.
Rudolf Pöch hielt sich im März 1908 im Fort Rietfontein auf, während die Kampage gegen |Gomxab bzw. Simon Kooper und seine Leute stattfand, an Kamele beteiligt waren. Die Gruppe um |Gomxab hatte sich über die Grenze in ein sehr trockenes Gebiet zurückgezogen, in das die Pferde der Schutztruppe ihr nicht folgen konnten.
Ebenfalls im Jahr 1908 erklärt ein Sprecher namens |Xosi Tshai auf einer Tonaufnahme die Rolle der damals fast ausgestorbenen Elefanten als Landschaftsarchitekten in der Gegend von Ghanzi: Er erinnert sich, wie ihre schweren Körper die Wasserpfannen vertieften und so mehr Wasser an die Oberfläche gelangen ließen. Auf einer historischen Tonaufnahme spricht er von Elefanten und als Elefant. Sein Bericht ist Teil eines mehrtägigen Gesprächs, das den Raubbau an der natürlichen Umgebung und die koloniale Übernutzung von Wasser mit der schweren Dürre von 1908 in Beziehung setzt.
Bilder: Filmarchiv Austria (links), Koloniales Bildarchiv Frankfurt/Main